Hermann Muthesius (1861-1927), der bekannte Architekt und Theoretiker, war unter Kaiser Wilhelm II. Attaché für Technik und Kultur an der Deutschen Botschaft in London und einer der Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Er verfasste zahlreiche Bücher, darunter „Das englische Haus“, dem bis heute kein ähnliches Werk zur Seite gestellt wurde. Muthesius
war der Ansicht, die Architektur sei „die Mutter aller Künste“ . Er
glaubte, dass eine architektonische Arbeit, wenn sie denn richtig ausgeführt
wurde, „der Nachwelt eine beredte Sprache“ sprechen werde. Obwohl er hauptsächlich
für seine allseits bewunderten Villen bekannt ist, hat Hermann Muthesius
auch das ursprünglich 1867 von C.S. Schwenke erbaute Geschäftsgebäude
im Auftrag des berühmten Modehauses Kersten & Tuteur zwischen
1912 und 1913 vollständig umgestaltet. Muthesius lag an der Umsetzung
eines klassizistischen Stils, der auf Sachlichkeit aufbaut, auf Einfachheit
und Ehrlichkeit und legte dabei großen Wert auf Universalität
und ewige Maßstäbe ohne zu imitieren. Das Tuteur-Haus strahlt
gelassene Eleganz aus. Seine klare Formensprache ist an der Funktion des
Gebäudes orientiert. Die sinnvolle Gestaltung, der selbstverständliche
Zuschnitt, das Gefühl von Luft und Licht vermitteln ein Gefühl
von Behaglichkeit, in der man sich wohlfühlt. Das Design der drei
hohen Eckschaufenster war zu seiner Zeit eine absolute Neuheit. Mit der
Restaurierung des Tuteur-Hauses wird das Andenken an Muthesius als Vordenker
der Architektur und als Künstler gewahrt. |
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